Das Video war Teil der Ausstellung dat huet jo näischt mat mir ze dinn.
Text von Franziska Storch.

D’Ierfschaft unhuelen

Die gefundenen Filmaufnahmen zeigen ebenso Landschaften und Alltagsszenen, die in Europa liegen könnten, wie Tänze von „Schwarzen“ oder den hohen Besuch des Königs, die eindeutig auf den Kongo verweisen. Die Liebe zum Kameraschwenk durchzieht alle Aufnahmen. Chantal Maquet gibt dieser Bewegung Raum, indem sie die Aufnahmen auf einer viel größeren Schwarzfläche platziert. Der Ausschnitt wandert mit dem Motiv langsam nach links oder rechts, als schaue man selbst durch den Sucher und bewege die Kamera. Der suchende Blick von Entdeckern, zwischen Detailliebe und dem Wunsch nach Übersicht in einem für die Großeltern von Chantal Maquet unbekannten Land wird deutlich.

Parallel zu den Bildern spricht die Künstlerin über ihre Gedanken zum Kolonialismus als Teil der eigenen Familiengeschichte. Sie schlägt den Bogen zu eigenen Erlebnissen als „Weiße“ unter „Weißen“, die von Rassismus gehört haben, aber seltsamerweise nie selbst Rassismus erfahren haben. Und sie schildert ihre Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit durch Beschimpfung als Ausländerin.

Kolonialismus und der damit einhergehende Rassismus sind für Chantal Maquet ein Erbe, das sie nicht leugnet. Im Film sagt sie: „Kelli Maria Korducki schreibt, dass alle weißen Menschen Rassisten seien“. Die zitierte Journalistin gehört zu einer Strömung, die sich dafür einsetzt, dass „Weiße“ ihr rassistisches Verhalten und Denken erkennen. Dafür plädiert auch die amerikanische Soziologin Robin DiAngelo mit ihrem Buch „White Fragility“. In einem Interview sagt sie: „Meistens, wenn Weiße über Rassismus sprechen, herrscht die Idee vor, dass Rassisten böse Individuen sind, die absichtlich und bewusst andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft verletzen wollen. Deshalb sehen Weiße meist nur expliziten Rassismus: Sie müssten das N-Wort sagen, bevor viele Weiße Sie als Rassisten sehen würden. Aber wenn das meine Vorstellung eines Rassisten ist, werde ich mir als Weißer niemals eingestehen können, dass auch ich mich rassistisch verhalte. Denn das würde mich zu einem schlechten Menschen machen. Deshalb müssen wir unser Verständnis von Rassismus erweitern.“[3]

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Das Video gibt es sowohl auf Luxemburgisch als auch auf Deutsch.