Ausgehend vom Arbeitstitel „das berührt mich nicht“ beschäftige ich mich mit einer Folge der Pandemie: der Distanz zwischen uns die größer wird und den seltener werdenden Berührungen. Wie kann ich meine Umwelt begreifen, wenn ich sie nicht anfassen darf? Berührt mich noch, was ich nicht berühren darf?
Die immer selteneren Treffen in der physischen Welt wirken zunehmend, als wären sie in einen musealen Raum transferiert in dem seit jeher Abstandsregeln zu den Werken gelten.

Diese Analogie ist Ausgangspunkt der Untersuchung:
Einerseits thematisiert es das Verhalten von Ausstellungsbesucher*innen: Ausstellungswände werden langsam
abgeschritten, vor den einzelnen Werken gibt es jeweils eine Verweildauer, die – unabhängig vom Werk – auch dadurch bestimmt wird, ob vor dem nächsten Werk noch jemand steht, oder ob bereits jemand nachrücken will und man sich gedrängt fühlt Platz zu machen. Der Kontext gibt Bewegungsmuster vor, die, wenn nicht an eine Choreografie, so doch an eine fein abgestimmte Improvisation erinnern.
Andererseits hebt das Projekt eben diese Bewegung im Raum hervor: Der Zwischenraum variiert ständig und wird dabei einzig vom Verhalten der Besucher*innen bestimmt. Die Kunstbetrachtenden sind nicht mehr in der passiven Rolle der Rezipierenden, sondern werden zu (Zwischenraum-)gestaltenden Agierenden. Die Wahrnehmung der Umgebung und dieses Zwischenraums, hat auch einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Werke.

Eben diese Erfahrung wird in „SOMA DIS TANZ“ erlebbar gemacht. Die Ausstellungsbesuchenden erfahren eine Reaktion auf ihre Bewegung. Die Bedeutung des eigenen Handelns wird durch akustisches Feedback im Ausstellungsraum vergegenwärtig. Eine Reihe von digitalen Sensoren erfasst die Positionen der Besuchenden und reagiert in Form von akustische Signalen darauf. Tonspuren werden abgespielt und in Abhängigkeit von der Bewegung im Raum gesteuert. Durch ihre Präsenz steuern die Besuchenden den Sound. Dabei gibt es nicht eine zentrale Sound-Quelle, sondern eine Vielzahl im Raum verteilter Kleinlautsprecher. Ein Nicht-Agieren mit den Sensoren ist nicht möglich. In der Ausstellung wird deutlich, dass das eigene Handeln oder Nicht-Handeln stets von Bedeutung ist. Der trotzigen Aussage des Arbeitstitels kann ein „es betrifft dich trotzdem“ entgegengesetzt werden.

80 x 60cm, Öl auf Leinwand

In der Ausstellung wird eine Serie von Stillleben präsentiert. Es sind Porträts von Zimmerpflanzen welche dichtgedrängt in Töpfen stehen, die langsam zu klein werden oder einsam dem Licht entgegen wachsen. Man sieht wie viel Aufmerksamkeit ihnen (nicht) geschenkt wurde.

Die Hängung der Werke provoziert bestimmte Bewegungsmuster bei der Bildbetrachtung. Der Ausstellungsraum wird zum Klangraum. Was auf den ersten Blick wie eine klassische Ausstellung anmutet, entpuppt sich bei näherer (bzw. wechselnder) Betrachtung als akustische Interaktion zwischen Raum und Betrachtenden. Die individuelle Moment der persönlichen Bildbetrachtung wird von der dadurch ausgelösten, nicht reproduzierbaren Sound-Kulisse unterstrichen und beeinflusst. Die BesucherInnen formen das Bindeglied zwischen dem Analog-Sichtbaren (der Malerei) und dem Digital-Unsichtbaren (der Sound-Installation).


Die Präsentation ist für den 25.-27.6.2021 im Studio45, Wendenstr. 45C, Hamburg-Hammerbrook geplant und findet gemäß der geltenden Corona-Verordnung statt. Bitte tragen Sie sich in den Newsletter ein, um über Öffnungszeiten, Besuchsbedingungen und Links zu Live-Übertragungen informiert zu werden.


Im Rahmen von NeuStartKultur, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.